10.04.2017
Bahn­hof bleibt Är­ger­nis

Bar­rie­ref­rei­er Aus­bau be­schäf­tigt Bür­gers­tamm­tisch der Frei­en Wäh­ler

Der aktuelle Bürgerstammtisch der Chamer Freien Wähler ist ganz im Zeichen der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum gestanden. Der Chamer Ortsvorsitzende Frank Aumeier zeigte sich überzeugt, dass gerade in der Kreisstadt die Menschen zunehmend für dieses Thema sensibilisiert seien und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreiften. Er freute sich deshalb besonders, dass neben zahlreichen Bürgern auch lokale Vertreter der Offenen Behindertenarbeit, des VdKs, der Behindertenwerkstätten und des Seniorenbeirats anwesend waren, Vorschläge einbrachten und mitdiskutierten.

Schon vor der Gartenschau sollte der Bau beginnen

Schnell drehte sich die Diskussion um den Chamer Bahnhof. Aumeier führte an, dass bis zum barrierefreien Ausbau noch Jahre verstreichen würden. Er meinte, dass bis dahin aber auch pragmatische Lösungen zumindest eine kleine Erleichterung für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit darstellen könnten. So habe er nachgezählt, dass der Großteil des Zugverkehrs über die Gleise zwei und drei abgewickelt würden. Es wäre daher beispielsweise schon ein Vorteil, wenn mehr Züge über das leichter erreichbare Gleis eins abfahren würden. Auf diesen Vorschlag an die Bahn habe er aber bis heute keine Rückmeldung erhalten.

Hier hakte auch Bürgermeisterin Karin Bucher ein, die bestätigte, dass gerade Verhandlungen mit der Bahn langwierig und oft mühsam seien. Die Bürgermeisterin sagte, dass sie sich und auch ihr Amtsvorgänger seit vielen Jahren bei der Bahn und dem Freistaat Bayern für die Barrierefreiheit des Chamer Bahnhofs eingesetzt hätten. Die Korrespondenz fülle mittlerweile einen dicken Ordner. Daher finde sie es auch nicht in Ordnung, wenn von anderer Stelle kritisiert werde, dass die Stadt hier untätig sei, nur weil sie „nicht wegen jedes Brieferls gleich zur Presse laufe“.

Der ebenfalls anwesende Alt-Bürgermeister Leo Hackenspiel bestätigte prompt Buchers Ausführungen. So sei ihm bereits im Vorfeld der Gartenschau von der Bahn im Jahr 2000 zugesichert worden, dass bis dahin alles „passend gemacht wird“. Dass trotz mehrerer Zusagen davor und danach nichts passiert sei, habe ihn zutiefst enttäuscht.

Bucher machte anhand von vielen Beispielen klar, dass der Stadt Cham die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sehr wichtig sei. So seien unter ihrer Amtsführung beispielsweise mehrere Straßen mit höhengleichen Bürgersteigen und damit rollstuhlfahrerfreundlich gebaut worden, das Rathaus habe eine automatische Tür bekommen, der Langhaussaal eine Induktionsschleife für Schwerhörige, das einzig wirklich barrierefreie Wohngebäude im Stadtgebiet sei im Stadtpark gebaut worden und die neue Chamer Stadthalle werde ebenfalls barrierefrei.

Dass sich die Verhandlungen mit der Bahn ausgesprochen zäh darstellen, konnte auch MdL Dr. Karl Vetter aus eigener Erfahrung bestätigen. Der Landtagsabgeordnete erwähnte, dass dies aber auch für Förderprogramme des Bundes und des Freistaats gelte. Der Bahnhof sei eines der Themen, das ihn beschäftige, seit er im Landtag sitzt. Der Verlauf der diversen Verhandlungen habe teilweise schon groteske Züge angenommen: Für ein Programm etwa hatte der Bahnhof zu wenig Reisende vorzuweisen, im nächsten waren es dafür zu viele. Seit dem Versprechen Seehofers im Jahr 2013, Bayern in zehn Jahren komplett barrierefrei zu machen, habe sich zwar einiges getan. Gemessen an diesem Versprechen werde aber zu wenig Geld in die Hand genommen. Viele – auch weit größere und zentralere Stationen als Cham – würden noch auf den barrierefreien Ausbau warten.

Verhandlungen haben „teils groteske Züge“

Dass der Freistaat wahrscheinlich nun zumindest die Planungskosten für den hiesigen Bahnhof übernehme, sei deshalb zumindest ein erster Etappenerfolg. Sorge bereite ihm aber, dass sich der Freistaat mit 1,4 Milliarden Euro am Bau der zweiten Stammstrecke in München beteilige. Diese Gelder könnten bei der Finanzierung von Projekten wie dem Chamer Bahnhof fehlen oder zumindest für eine Verzögerung sorgen. Damit es nicht so weit komme, habe seine Fraktion deshalb im Landtag bereits ein Sonderinvestitionsprogramm gefordert, um diese Gelder aufzufüllen.

Vetter, wie auch der Großteil der Anwesenden, zeigte sich ohnehin mit dem jetzigen Zeitplan bis zum barrierefreien Umbau des Chamer Bahnhofs unzufrieden. Denn selbst wenn ab 2018 die Planungen wie zugesichert beginnen könnten, wäre frühestens ab 2023 mit einem Abschluss der Baumaßnahme zu rechnen. Es könne aber nicht sein, dass man sich bis dahin mit der momentanen Situation abfinden müsse.

Im Anschluss brachten sich die Bürger noch zu vielen Themen in die Diskussion ein und gaben der Bürgermeisterin Anregungen mit auf den Weg oder stellten Fragen.

Quelle: Chamer Zeitung