26.08.2017
Freie Wäh­ler zu Gast bei der Sti­cke­rei Tisch­ler – Schon 20 Be­schäf­tig­te

Rhanwalting. Die Freien Wähler der Gemeinde Waffenbrunn haben den Betrieb von Christian Tischler in Rhanwalting besichtigt. Ortsvorsitzender Alois Platzer hieß dazu auch den Landtagsabgeordneten Dr. Karl Vetter, Kreisrätin Emmi Kollross, Kreisgeschäftsführer Josef Kiesl, den Bundestagskandidaten Frank Aumeier sowie 2. Bürgermeister Peter Roider willkommen.

Firmeninhaber Christian Tischler schilderte in Anwesenheit von Ehefrau Sonja und einigerMitarbeiterinnen, die extra erst später Feierabend machten, anschaulich die Entwicklung der Firma.

Früher Perlenstickerei

Im Jahr 1963 haben seine Eltern, Johann und Sophie Tischler, den Betrieb als Perlen- und Handstickerei gegründet und 1970 um die Automatenstickerei erweitert. In den 70er Jahren bestickte die Firma unter anderem Stoffe für die arabischen Emirate und Kragenspiegel für Bundeswehruniformen. 1982 verlagerte der Betrieb die Handstickerei teilweise nach Pakistan, 1981 erfolgte im Zuge der Globalisierung eine Teilauslagerung der Automatenstickerei nach Taiwan. Tischler betonte, dadurch seien keine inländischen Arbeitsplätze verloren gegangen, vielmehr hätten diese durch die Verlagerungen gesichert werden können.

1984 sei die Produktpalette um Metallabzeichen und Medaillen erweitert worden. 1994 erfolgte wegen des ständig steigenden Auftragsvolumens der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses und die Auslagerung in den Angerweg 6 in Rhanwalting. Bereits 2010 war die Erweiterung durch einen Anbau erforderlich. Seit 2002 führt Tischler die Firma als Alleininhaber. 2003 wurde ein reichhaltiges Textilprogramm in das Sortiment aufgenommen, seit 2010 sorgt ein Außendienstmitarbeiter für die optimale Kundenberatung vor Ort.

Bis circa 2010 sei zu 100 Prozent für den Fachhandel produziert worden, sagte Tischler. Deshalb wäre weitgehend unbekannt, dass die Firma unter anderem auch für die Olympischen Spiele, für Filmproduktionen oder den Eurofigther Stickereien gefertigt hat. Jetzt würde das Unternehmen auch in die Außendarstellung gehen und ihre Produkte regional vermarkten, während die überregionale Fertigung nach wie vor über Zwischenhändler abgewickelt wird. Belief sich der Umsatz 1998 auf 500 000 D-Mark, liege er heute bei circa 1,5 bis zwei Millionen Euro. Da es sich um kleine Einheiten handelt, seien dafür enorm viele Einzelaufträge erforderlich.

Breite Produktpalette

Die Firma erhält, wie Tischler sagte, Aufträge aus der ganzen Welt, wobei sich der Großteil trotzdem auf deutsche Abnehmer bezieht. Heute reiche die Produktpalette vom Besticken von Stoffen und Kleidungsstücken jeglicher Art mit individuellen Motiven bis zur Fertigung von Metallabzeichen, Anstecknadeln, Medaillen und bestickten Abzeichen in jedweder Form für alle erdenklichen Anlässe. Mit besonderem Stolz erwähnte der Firmeninhaber, anlässlich der Amtseinführung des bayerischen Papstes Benedikt XVI. habe sein Unternehmen die Fahnennägel (Metallabzeichen auf den Fahnen der teilnehmenden Vereine) gefertigt.

Nichts geht ohne Internet

Bei einem ausführlichen Rundgang durch die Büro- und Fertigungsräume erläuterten Mitarbeiterinnen die Stickereimaschinen und den Arbeitsablauf. Auch in dieser Branche sind Computer und schnelles Internet, für das sich die Freien Wähler nach Platzers Worten stets eingesetzt haben, ein unverzichtbares Hilfsmittel. Die Besucher staunten über die Breite der Produktpalette und sparten nicht mit Fragen, die der Firmenchef souverän und fachmännisch beantwortete. Von den derzeit 20 Beschäftigten, davon zwölf in Vollzeit, kommt die Hälfte aus dem Gemeindegebiet Waffenbrunn. Tischler beklagte die immer mehr ausufernde Bürokratie und würde sich deshalb in der Politik mehr Leute mit handwerklicher Berufserfahrung wünschen. Bundestagskandidat Frank Aumeier zeigt sich überrascht von der Betriebspalette und würdigte die Arbeit der mittelständischen Betriebe. Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter zollte der Firma Tischler großen Respekt für die positive Entwicklung. Nach außen hin eher bescheiden, berge sie im Inneren einen wahren Schatz. 2. Bürgermeister Peter Roider zeigte sich erfreut, dass in der Gemeinde mit der Firma Tischler eine Firma ihren Sitz hat, die weltweit tätig ist und vielen Gemeindebürgern eine Arbeitsstelle bietet.

Quelle: Chamer Zeitung