23.03.2017
Vet­ter will bes­se­ren Schutz

K.o.-Trop­fen sol­len nur ver­gällt er­laubt sein

Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) und Gamma-Butyrolacton (GBL) sind bei jüngeren Menschen und Nachtschwärmern längst keine Unbekannten mehr. Allerdings nicht etwa aus dem Oberstufen-Chemieunterricht, sondern vielmehr unter ihrem Szenenamen „Liquid Ecstasy“. Schlagzeilen machen diese Stoffe jüngst aber weniger als Partydroge, sondern durch ihre Verwendung als K.o.-Tropfen. Eine Entwicklung, die der Abgeordnete Dr. Karl Vetter schon lange mit Sorge verfolgt.

„Auch bei uns wurden bereits Fälle bekannt, bei denen Personen ohne deren Wissen K.o.-Tropfen verabreicht wurden. Oftmals werden diese fast geruchs- und geschmacklosen Flüssigkeiten in Getränke gemischt, um Opfer handlungsunfähig und willenlos zu machen und so Straftaten, wie Vergewaltigungen, zu erleichtern.“

In seiner Funktion als drogenpolitischer Sprecher der Freien Wähler will Vetter daher im Bayerischen Landtag per Antrag die Staatsregierung auffordern, bei einem besonders krassen Missstand nachzubessern: „Chemisch sind die Stoffe eng verwandt, im menschlichen Körper wird GBL sogar binnen kurzer Zeit in GHB umgewandelt. Daher ist es umso bemerkenswerter, dass aus rechtlicher Sicht Welten zwischen diesen beiden Substanzen liegen.“ Denn während GHB in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fällt, ist GBL relativ leicht erhältlich und der Besitz zudem nicht strafbar. „Eine völlig paradoxe Situation, die unbedingt abgestellt werden muss“, findet der Abgeordnete.


Bisherige Forderungen nach einem generellen GBL-Verbot oder dessen Einstufung als Droge hatten allerdings keinen Erfolg und dies wird nach Stand der Dinge auch zukünftig nicht zu erwarten sein. Die Sache hat laut Vetter nämlich einen gewaltigen Haken: GBL werde von der Industrie zur Herstellung zahlreicher Produkte, wie etwa Medikamente, Lösungsmittel und Weichmacher, benötigt. Das BtMG sei jedoch nicht dafür ausgelegt, auf eine industriell benötigte Chemikalie angewendet zu werden, von der jährlich zehntausende Tonnen in Umlauf gebracht werden.

In seinem Antrag fordert Vetter deshalb kein generelles Verbot, sondern, dass GBL, ähnlich dem Alkohol im Spiritus, nur noch in chemisch vergällter Form vertrieben werden darf. Unvergälltes GBL solle dagegen ebenso wie GHB unter das BtMG gestellt werden. „Dadurch würde der Missbrauch von GBL als K.o.-Tropfen fast unmöglich gemacht. Man würde den bitteren Geschmack sofort bemerken, wenn es einem ins Getränk gemischt wurde. Zudem machen sich Personen schon dann strafbar, wenn sie unvergälltes GBL kaufen wollen oder damit erwischt werden.“

Quelle: Chamer Zeitung